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Linolschnitt und Film

Ausstellung im Taubenturm, Dießen vom 12. bis 20. Juni 2004

Code - Exit, Einladungskarte

Kritik der Süddeutschen Zeitung
Die Wege sind das Thema
Jakob Kirchheim stellt im Taubenturm Dießen aus

Jakob Kirchheim - Foto-Treybal/SZ

„Der Weg ist das Ziel". Man kann es wirklich nicht mehr hören. Aber wahr ist dieser Satz, an dem Philosophen und Esoteriker ganze Lehrgebäude aufhängen, trotzdem. Wir gehen Wege, mit den Füßen, in unseren Köpfen, in denen es vor Wegen nur so schwirrt, mit den Händen, die langsam, Schritt für Schritt, etwas produzieren. Für Jakob Kirchheim, den Linolschneider und Produzenten von Filmen, in denen Formen und Buchstaben die Hauptdarsteller sind, sind Wege schon seit einer ganzen Weile zum Thema seiner Kunst geworden. Einen Einblick in seine Wegekarten, gedruckt oder gefilmt, gibt er zur Zeit im Taubenturm in Dießen. ... Es sind großformatige Linoltafeln, in die Jakob Kirchheim seine Wege schneidet und von denen er mit mehreren Farben nicht etwa Papier, sondern Nessel bedruckt und dies zum Teil auch noch bemalt, so dass tatsächlich Bilder in klassischer Manier entstehen. Zweierlei sehr unterschiedlich gestaltete Wege bestimmen den Ausdruck der Arbeiten: Einerseits ein Netz vergleichsweise breiter Doppelstraßen, nebeneinander geführt wie Autobahnen und den Bildgrund dominierend, andererseits feine Pfade, die sich in Schlängelungen zu einem feinen, adernartigen Linienwerk zusammenfinden. Um für sich zu klären, was die beiden Ausprägungen gemeinsam haben, muss man eine Weile hinsehen. Es sind die abrupten Brüche, die Sackgassen, die zu einem plötzlichen Ende führen und keine Brücken mehr zulassen, die Unendlichschleifen, aus denen der Mensch, einmal dort gefangen und sich sogar geborgen fühlend, nicht mehr herauskommt. ... Das ist die transzendente Seite dieser - übrigens farblich, sehr reizvollen - Arbeiten.
Die diesseitige hat letztlich mit dem für Kirchheim nicht gut erträglichen politischen Machtspiel auf dieser Welt zu tun. „Selective Road Map" kann so etwas dann heißen, und dem Liniengewirr können Umrisse von Ländern und Inseln zugrunde liegen, so etwa Santo Domingo, Texas und Irak. In einigen Arbeiten hat sogar Gegenständlichkeit Platz: Finger wählen Tasten auf einem Handy und es gibt Hinweisschilder. „Help", „Escape" oder auch „Touch Screen" steht darauf. ... Jakob Kirchheim, 42 Jahre alt, gelingt die eher selten in der bildenden Kunst anzutreffende Symbiose von überzeugender Form und politischer Motivation. Wunderbarerweise ist Agitprop und Agitpop, mögen sie auch noch so gut gemeint sein, meilenweit von diesen Arbeiten entfernt.
INGRID ZIMMERMANN